Je länger eine Krise dauert, umso größer ist die Gefahr, dass Kommunikation und Realität auseinanderdriften. Genau das ist der Regierung nach der gelungenen Lockdown-Kommunikation passiert.

In meinem letzten Blog, mitten in der Coronakrise, habe ich die Krisenkommunikation der Regierung gelobt. Die offiziellen Nachrichten und die damit einhergehenden Regierungs-Pressekonferenzen waren sehr überzeugend. Sie hätten uns Vertrauen und Sicherheit gegeben, schrieb ich damals – zu Recht. Mit einer fokussierten, transparenten und dichten Kommunikation schafften es die Regierenden Anfang März, das Land geschickt in den Lockdown zu steuern. Doch dann passte plötzlich nichts mehr zusammen und die PR-Fassade begann zu bröckeln. Wie das?

Die sehnsüchtig erwarteten Finanzhilfen für all jene, die ihre Geschäftstätigkeit zu Gunsten des Allgemeinwohls einstellen mussten, liefen nur holprig an. Das heroische „Wir werden niemanden zurücklassen“ verkam zur hohlen Phrase.

Tatsache ist, dass wir sogar sehr viele zurückgelassen haben, allen voran den Einzelhandel, die Gastronomie, den Tourismus, die Kunst- und Kulturszene sowie etliche KMUs und EPUs. Sie alle sind die großen Verlierer dieser Coronakrise.

Kein Wunder also, dass sich Unmut breit macht. Schließlich hat die Bevölkerung, die schicksalsergeben Rollbalken herunterzog, Events absagte, brav zu Hause blieb, Kinder daheim unterrichtete, Masken nähte und Besuche bei Oma & Opa einstellte, ihren Teil der COVID-19-Verordnungen erfüllt, während die Entschädigungsmaßnahmen der Regierung teilweise bis heute auf sich warten lassen oder nur langsam – und in oft zu geringer Höhe – ankommen.

Der viel zitierte Härtefonds als Sofortmaßnahme für Klein- und Kleinstunternehmen hat sich als bürokratischer Hürdenlauf für Almosen erwiesen. Er wurde binnen drei Monaten dreimal reformiert und halbherzig aufgestockt, so dass heute kein Antragsteller mehr durchblickt. Viele KMUs & EPUs schielen neidvoll nach Deutschland, wo Entschädigungen, die sich aufgrund ihrer Höhe auch so nennen dürfen, rasch und ohne Bürokratie ausgezahlt wurden.

Die Enttäuschung der Betroffenen sitzt tief. Sie fühlen sich im Stich gelassen und müssen selbst schauen, dass sie nicht zurückbleiben. Die Regierung wiederum kämpft mit dem Vertrauen in ihr Umsetzungsvermögen.

Fazit: Krisenkommunikation ist Kommunikation im Ausnahmezustand – und der dauert mittlerweile schon zu lange, um die Menschen in falscher Sicherheit zu wiegen. Die Umsetzung der Maßnahmen kann mit den vollmundigen Ankündigungen nicht Schritt halten. Das ist leider fatal.

Was ich im letzten Blog nicht erwähnt habe: Passen Kommunikation und Realität nicht zusammen, dann verkehrt sich der positive Effekt guter Krisenkommunikation in sein Gegenteil und das Krisenmanagement verliert an Glaubwürdigkeit.
Und da stehen wir jetzt.

Wenn Krise und Kommunikation nicht (mehr) zusammenpassen